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Was mich bewegt
(Oktober 2017)
Monatsspruch
   


Liebe Leserinnen und Leser,

„es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lukas 15,10) Damit schließt ein Gleichnis Jesu im Lukasevangelium. In ihm wird uns erzählt, wie groß die Freude des Wiederfindens bei einer Frau ist, die einen von zehn Silbergroschen verloren hat.
Wenn jemand etwas Wertvolles verliert, etwas, woran sein Herz hängt, dann ist ihm das nicht egal. Dann fängt er an zu suchen, und er wird so lange suchen, bis er wiedergefunden hat, was er verloren hatte.
Wer kennt das nicht auch - die Unruhe über den verlegten Schlüssel oder wegen des Smartphones, das nicht am gewohnten Ort liegt? Und dann die Wiedersehensfreude, wenn das Verlorene endlich zurück ist. Die Welt ist dann wieder in Ordnung.
Nicht alles, was uns verloren geht, können wir jedoch wiederfinden. Das Wertvollste, das wir verlieren können, ist ein Mensch. Wenn Freundschaften zerbrechen, wenn Ehen auseinandergehen, wenn Angehörige sterben, wenn wir - auf welche Weise auch immer - einen Menschen verlieren, den wir geliebt haben, kann uns das unendlich wehtun. Jeder Verlust, den wir erleiden, hinterlässt seine Spuren in uns und beschädigt die Ordnung unserer Welt.
Jesus meint mit seinem Gleichnis nicht wirklich Gegenstände, die wir verlieren können, sondern zerrissene Beziehungen zwischen uns Menschen und Gott, die uns belasten. Auch wenn wir als erwachsene Menschen nicht verloren gehen können, können wir uns aber selbst verlieren.
„Gott“, sagt Jesus uns, „leidet, wenn einer sein Lebensglück und den Sinn seines Lebens woanders sucht und sich darüber verliert, weil er nichts findet, was ihm Halt und Orientierung gibt, sodass er schließlich nichts mehr vom Leben, von den anderen und von Gott erwartet. Deswegen ergreift Gott die Initiative und beginnt zu suchen. Er spürt selbst das Glück des Wiederfindens, wenn sich einer bewegen lässt, zu ihm zurückzukehren.“


















   




Die Freude ist nicht das Einzige, von dem Jesus uns erzählt. Es geht auch um die Vollständigkeit. Erst dann ist für Gott die Welt wieder in Ordnung. So wie die Frau sich nicht mit neun Silbergroschen zufrieden gibt und auf einen verzichtet, findet Gott sich nicht damit ab, wenn auch nur eine oder einer von uns fehlt. Seine Liebe grenzt niemanden aus. Keine und keiner ist ihm unwichtig, dass er leichten Herzens auf sie oder ihn verzichten möchte.
Gottes Liebe gibt uns den Anstoß, auf Menschen zuzugehen, die anders denken, reden und glauben als wir, um uns ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen. Uns anzuhören, was sie zu sagen haben, was ihnen auf dem Herzen liegt und was ihnen wichtig ist; ihnen auch offen zu erzählen, wo wir herkommen und worauf es uns ankommt. Das nicht in der Absicht, den anderen zu überreden, zu überrumpeln und zu vereinnahmen für eine Sache, die vielleicht wirklich gar nicht die seine ist, sondern aus der Einsicht heraus, dass dieser andere in den Augen Gottes nicht weniger und nicht mehr wert ist als wir. Deshalb haben wir kein Recht, uns über ihn zu erheben. Gemeinsame Gottesdienste mit Christinnen und Christen anderer Konfessionen, die Arbeit mit Flüchtlingen und Andersgläubigen, das Engagement in politischen Gremien oder in Vereinen öffnet unseren Blick für die Menschen, die auch zu Gott gehören, auch wenn wir sie bei uns in der Kirchengemeinde nicht finden und vielleicht nie finden werden. Ihr Recht ist es, von uns wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Daran freut sich Gott, so wie die Frau über den einen Silbergroschen, der ihr genauso viel wert war, wie die neun anderen.



Ihr
Berthold Deecken, Pastor



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