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Was mich bewegt
(Mai 2017)
Monatsspruch
   


Liebe Leserinnen und Leser,

der Monatsspruch für den Mai aus dem Kolosserbrief fordert uns auf: „Eure Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.“ (Kol 4,6) Wir sollen also über unseren Glauben Auskunft geben, wenn wir auf ihn angesprochen werden. Erst dann sollen wir freundlich und die Sache treffend unsere Überzeugung vor allen vertreten.
In unserer Rede soll dann etwas davon anklingen, dass Gott uns Menschen gnädig ist. Dies haben die ersten Hörer dieses Verses beim Wort „Rede“ nämlich mitgehört. Gottes Gnade ist wohlklingend und zugleich mit Salz gewürzt. Sie begegnet uns in der Person Jesu von Nazareth, wie er sich uns Menschen gegenüber verhält. Beim Blinden erkundigt er sich: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ (Mk 10) Er ist im Gespräch vertieft mit Maria, der Schwester des Lazarus. Mit den Pharisäern gerät er des Öfteren in Streit und die Händler wirft er schließlich sogar aus dem Tempel heraus. Jesus nimmt Gott und die Menschen, denen er begegnet, ernst. Gelegentlich verstößt er auch gegen religiöse Konventionen. Das macht die Begegnung mit ihm für viele so wohltuend. Bei Jesus herrscht eine besondere Atmosphäre. „Es ist der Luftzug der Erlösung – als gelangte man aus der Enge in einen weiten Raum. Die Freiheit hat schon begonnen.“ So der evangelische Theologe Heinz Zahrnt.
In dieser Freiheit bleiben wir, wenn wir nicht um uns selbst kreisen, sondern unser Leben auf Gott hin geordnet ist. Deswegen heißt es wenige Verse vor unserem Monatsspruch auch: „Seid beharrlich im Gebet.“ (Kol 4,2) Damit ist keine Lebenshaltung gemeint. Es wird nicht gesagt, wo und wie wir beten sollen. Nicht um feste Gebetszeiten geht es oder um bestimmte Rituale und Formen, sondern um ein Leben, das auf Gott ausgerichtet ist. Es geht darum, dass die Besinnung auf Gott Teil unseres Lebens sein soll.













   




Wie das geht, machen uns unsere Vorfahren im Glauben vor. In den Psalmen wird uns überliefert, wie sie ihr Leben vor Gott ins Gebet genommen haben. Sie fanden Worte für ihre tiefen Ängste und für ihre großen Hoffnungen. Eine Sprache, die gar nicht immer fromm war. Diese Menschen sprechen, reden, schreien zu Gott, sie rufen und flehen zu ihm, sie klagen ihn sogar an. So gewinnen sie Abstand von dem, was sie bewegt, und werden frei, um auf Gott zu hören. Diese Haltung verändert das Leben.
Das wussten auch die Wüstenväter aus der Anfangszeit der Kirche. Ein junger Mann machte sich auf zu einem Weisen in der Wüste und fragte ihn: „Du bist doch ein Meister in Gebet und Meditation. Lehre mich so zu beten, dass für mich auch ein Erfolg dabei herauskommt.“ Der Weise sagte zu ihm: „Siehst du den dreckigen Drahtkorb dort liegen?“ – „Ja.“ – ,,Dann nimm ihn und hole damit Wasser.“ Der junge Mann nahm den Drahtkorb, ging einige hundert Meter bis zum Brunnen, schöpfte mit dem Drahtkorb Wasser und machte sich auf den Weg zum Weisen. Doch als er dort ankam, war alles Wasser aus dem Drahtkorb herausgelaufen. Der Weise sagte: „Geh und hol Wasser!“ Und er machte sich zum zweitenmal auf den Weg. Doch der Erfolg war genau derselbe. Der Weise forderte ihn zum drittenmal auf: „Geh und hol Wasser!“ Da sagte der junge Mann zum Weisen: „Du siehst doch, mit dem Drahtkorb kann man kein Wasser holen, es läuft alles heraus.“ Der Weise antwortete: „Du hast zwar kein Wasser zu mir gebracht. Aber der Drahtkorb, der dreckig war, ist jetzt sauber. So ist es auch mit dem Beten: Selbst wenn Du am Schluss nichts in den Händen hältst, so hat das Beten und Meditieren dich doch gereinigt!“
Solchermaßen gereinigt, werden auch wir zur rechten Zeit etwas Wesentliches zu sagen haben, wenn wir gefragt werden. Unseren Glauben brauchen wir anderen dabei nicht aufzudrängen. Denn überzeugen kann nur Gott selbst. Wir aber dürfen Gott bezeugen vor allen Menschen. Durch unsere Worte sollen sie einen Geschmack an der Freiheit finden, die Christus uns schenkt. Mit ihnen können wir dann die Freude teilen an den guten Gaben des Schöpfers.



Ihr
Berthold Deecken, Pastor



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