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Was mich bewegt
(November 2017)
Monatsspruch
   


Liebe Leserinnen und Leser,

Gott spricht: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ Ezechiel 37,27 (L)
Liebe Leserinnen und Leser, durch den Mund des Propheten Ezechiel hörten die Israeliten diese Zusage Gottes. Schon lange lebten sie fern ihrer Heimat im Exil. Das Land, in dem Milch und Honig fließen, kannten sie nur aus der Erzählung ihrer Mütter und Väter. In Babylon, wohin sie vertrieben wurden, hatten sie sich eingerichtet, die Hoffnung auf Heimkehr im Laufe der Zeit längst begraben.
Begraben mussten in diesem Jahr auch viele unter uns ihre Träume von der gemeinsamen Zukunft mit einem geliebten Menschen. Der Tod und der damit verbundene Abschied ist ein tiefer Einschnitt und hinterlässt Spuren in unserem Leben. Die Trauer lässt einen im Moment nicht mehr die Zukunft von der Gegenwart unterscheiden. Alles erscheint im Augenblick grau in grau. Im November gedenken wir derer, die durch den Tod aus unserer Mitte genommen worden sind. Wir spüren, wie einsam unser Leben sein kann.
Einsam, weil scheinbar von Gott vergessen, so fühlten sich damals auch die Israeliten. Sie klagten. Sie trauerten. Sie schwiegen. Stumm ertrugen sie den Spott der Babylonier. „Wo ist denn euer Gott? Warum hilft er euch denn nicht?“ Was sollten sie auf diese Fragen schon antworten? Sie hatten gelernt, sich mit den Verhältnissen zu arrangieren. Warum Gott ihre Vertreibung aus der Heimat zugelassen hatte, diese Frage verstumm- te immer mehr. Wie sollten sie auch weiterhin fragen, wenn sie sich noch nicht einmal mehr sicher waren, ob Gott überhaupt noch bei ihnen war. Zwar hatten sie einander, aber das reichte nicht aus, um die Hoffnung neu zu beleben und wieder Freude am Leben zu finden.
„Kopf hoch, das wird schon wie- der. Das Leben geht doch weiter.“ Mit solchen und ähnlichen Sätzen versuchen Angehörige und Freunde mitunter Trauernden beizuste- hen. Wer so redet, meint es sicherlich gut. Er nimmt an, dass die Zeit Rat bringt und die Sache schon richten wird. Natürlich geht das Leben weiter. Wer wollte das bestreiten. Aber die Frage ist doch, wie?


















   




Die Zeit allein heilt eben nicht von sich aus alle Wunden. Der Erfahrungsschatz unserer Vorfahren im Glauben sagt etwas anderes. Der scheinbar ferne Gott ist immer noch nah. Auch in Babylon ist er bei ihnen, auch in der Fremde ist er zuhause. Selbst hier sind sie sein Volk. So sagt es Ezechiel damals Israel und heute uns. Das Schweigen hört auf und die Zeit, in der Gott als abwesend erlebt wurde, findet ein Ende. Das verunsicherte jüdische Volk hört die Stimme eines tröstenden Gottes. Hier spricht einer, der nicht aus der Ferne zuschauen will oder nur vorübergehend vorbeischaut. Vom Wohnen redet er mitten unter ihnen. Er nimmt Anteil an unserem Leben. Und seine Nähe ist es, die gut tut. Darauf kommt es an. Sie fangen wieder an zu leben. Das, was vorbei war und verloren schien, ist noch lange nicht zu Ende gekommen. Die Männer und Frauen aus Israel erinnerten sich der alten Zusage Gottes: „Ich bin für euch da.“ Sie fassten wieder Vertrauen zu dem, was ihnen von Gott gesagt wurde und wussten wieder wohin sie gehörten: Nicht nach Babylon - sondern dort hin, wo es sich wieder gut leben lässt und die Freude ein zu Hause hat.
Licht bricht in das Dunkel der Trauer durch, und die ersehnte Zukunft lässt bereits die Gegenwart allmählich anders für Trauernde erscheinen, wenn sie Worte hören, die sie wirklich trösten. Solche Worte gehen zwar über unsere Lippen, aber kommen von Gott. Wir sagen mit ihnen mehr, als wir im Grund selber verantworten können. Wer kann schon von sich aus sagen, dass Gott allem Widerschein zum Trotz bei uns wohnt und für uns da ist, obwohl noch lange nicht alle Fragen beantwortet sind, die Trauernde haben? Nur von Gott kön- nen wir die Kraft bekommen, die offenen Fragen unseres Lebens und Sterbens gemeinsam mit Trauernden auszuhalten, ohne dass sie uns niederdrücken. Wer sich von den Worten aus dem Erfahrungsschatz unserer Vorfahren im Glauben ansprechen und berühren lässt, wie sie uns in den Heiligen Schriften der Bibel überliefert werden, der findet Trost, kann sie im Glauben erwidern und sich erneut dem Leben zuwenden.
Übrigens: Später, als das Volk Israel wieder im gelobten Land wohn- te, fragten sie sich, ob es, so wie sie mit Gottes Hilfe aus der Verbannung aufstehen konnten, auch eine Auferstehung aus dem Tod geben wird. Und sie fingen an, diese Frage zu bejahen.
Mögen wir mit ihnen diese Hoff- nung teilen. Durch Christus haben wir allen Grund dazu.



Ihr
Berthold Deecken, Pastor



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